In der Hämato-Onkologie ist das Wissen explodiert
Ordensklinikum Linz

OÄ PDin Dr.in Veronika Buxhofer-Ausch ist Expertin für myeloproliferative Erkrankungen. Die Leiterin der Allgemeinen hämato-onkologischen Ambulanz im Ordensklinikum Linz Elisabethinen hat sich als eine der ersten Frauen an der Johannes Kepler Universität Linz ( JKU) habilitiert. Sie ist überzeugt, dass manche hämato-onkologischen Erkrankungen in Zukunft besser heilbar sein werden bzw. sich zu chronischen Erkrankungen entwickeln.

AM PULS: Seit wann sind Sie am Ordensklinikum Linz tätig?

OÄ PDin Dr.in Veronika Buxhofer-Ausch: Ich bin seit 2013 bei den Elisabethinen beschäftigt. Mein Mann und ich wollten uns beruflich verändern und mein Mann hatte ein Angebot in Oberösterreich. Ich wollte mich auf die Hämatologie konzentrieren und im Ordensklinikum Linz bekam ich die Chance dazu. Mittlerweile lebt meine Familie wieder in Wien, da es mir am Ordensklinikum Linz so gut gefällt, pendle ich täglich mit dem Zug.

Was fasziniert Sie an der Hämato-Onkologie?

Buxhofer-Ausch: Das Fach ist wissenschaftlich sehr spannend, es gibt noch unglaublich viel zu lernen. Auch der klinische Alltag ist aufregend. Es gibt Notfälle und viele Fälle verlaufen atypisch, bei denen man nicht nach Lehrbuch vorgehen kann. Ich mag aber auch die menschliche Seite. Viele meiner Patient*innen sind unheilbar krank und ich betreue und begleite sie über Jahre hinweg. Dabei lernt man sie gut kennen und erhält qualitätsvolles Feedback.

Wie hat sich das Fach in den letzten Jahren weiterentwickelt? Gibt es neue Therapien, die vielversprechend sind? 

Buxhofer-Ausch: In den letzten 30 Jahren ist das Wissen in der Hämato-Onkologie explodiert, es werden immer mehr Antikörpertherapien und zelluläre Therapien eingesetzt. Ich denke, wir können in Zukunft Erkrankungen wie die chronische myeloische Leukämie (CML) heilen, andere werden sich zu chronischen Erkrankungen entwickeln. Wir können bei der Diagnose immer besser einschätzen, wie hoch das Risiko ist, dass Patient*innen auf eine Therapie nicht gut ansprechen. Hier braucht es neue Therapien. Ein Beispiel ist die CAR-T-Zell-Therapie, die bei bestimmten akuten Leukämien oder Lymphomen zum Einsatz kommt. Wir bieten als einziges Zentrum in Oberösterreich die allogene Blutstammzelltransplantation, die Hochdosis-Chemotherapie und die autologe Stammzelltransplantation an. Wir sind auch Spenderzentrum und führen außerdem extrakorporale Photopheresen (ECP) durch. Das ist eine Therapie, die bei Abstoßungsreaktionen nach Stammzell- und Lungentransplantationen sowie bei bestimmten Hauterkrankungen angewendet wird. Bei den seltenen myeloproliferativen Erkrankungen können wir die Teilnahme an diversen Studien anbieten.

  
OÄ PDin Dr.in Veronika Buxhofer-Ausch, Leiterin der Allgemeinen hämato-onkologischen Ambulanz im Ordensklinikum Linz Elisabethinen

Sie haben sich 2020 als eine der ersten Frauen an der JKU habilitiert und sich mit BCR-ABL1-negativen myeloproliferativen Neoplasien (MPN) beschäftigt. Welche Erkenntnisse konnten Sie gewinnen?

Buxhofer-Ausch: In meiner Habilitationsschrift geht es um die genauere Charakterisierung der essenziellen Thrombozythämie und der präfibrotischen Fibrose. Ich konnte zeigen, dass speziell eine Leukozytose ein wichtiger Risikofaktor ist und bei der Therapiewahl berücksichtigt werden sollte. Außerdem ist eine Leukozytose ein wichtiges Kriterium für die korrekte Diagnosefindung und die Unterscheidung der verschiedenen Subgruppen der MPN.

Welche Rolle spielen Zuweiser*innen bei der Früherkennung?

Buxhofer-Ausch: Die Awareness gegenüber seltenen myeloproliferativen Erkrankungen ist gestiegen. Zunehmend überweisen Allgemeinmediziner*innen Patient*innen zur Abklärung, weil ihnen auffällt, dass deren Blutbild wiederholt nicht passt, sie etwa zu wenig oder zu viel an Leukozyten haben. Das betrifft auch junge Menschen. Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser kann man sie behandeln.

Wie finden Sie Ausgleich zu Ihrer herausfordernden Tätigkeit?

Buxhofer-Ausch: Mein Ausgleich ist meine Familie. Wenn ich abends nach Hause komme, kann ich mich beim Kochen herrlich entspannen. An den Wochenenden machen wir gerne Ausflüge.

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